Baumaßnahmen des NABU Sachsen

Der Burgauenbach

Parallel zu den Baumaßnahmen der Stadt Leipzig nahm sich der NABU Sachsen im Zuge des Projekts der Wasserversorgung im Bereich der Papitzer Lachen bei Schkeuditz an, das Ende 2015 erneuert wurde.
Mit der Projektverlängerung 2020 wird der Burgauenbach, ursprünglich selbst ein Renaturierungsprojekt, stärker in die Planungen mit einbezogen. Aufbauend auf eine Evaluation des NABU Leipzig, die Erfolge und Defizite des Baches aufzeigt, zum 20jährigen Bestehen des Burgauenbachs sollen mit gezielten Maßnahmen die Lebensräume des Burgauenbach und seiner Umgebung aufgewertet und dadurch die weitere Wiederansiedlung verschiedener auentypischer Tier- und Pflanzenarten ermöglicht werden. Der NABU Sachsen bringt sich in der neuen Projektphase wieder planerisch in das Projekt ein und nutzt seine 2019 getätigten Vorarbeiten, um gezielt aufwertende Maßnahmenvorschläge zu erarbeiten, die in die Planungen zur Lebendigen Luppe integriert und umgesetzt werden können.

Burgauenbach - Foto: Vlaic INABU Sachsen

Der Burgauenbach wurde 1999 vom NABU Sachsen und der Stadt Leipzig durch die Verbindung bestehender historischer Flussbetten und Altarme mit dem Gewässersystem angelegt. Ziel war es, die ehemaligen Auengewässer wieder mit Wasser zu versorgen und im Sinne des Biotopverbundes miteinander zu verketten. Zudem sollte der neu erschaffene Bach regelmäßig im Frühjahr auf einer Fläche von etwa 10 Hektar über die Ufer treten und der Hartholzaue die nötigen Überflutungen geben. Ein wichtiges Anliegen war die Rettung der damals von Austrocknung bedrohten, aber naturschutzfachlich sehr wertvollen Waldspitzlachen, ehemaligen Lehmgruben, die ähnlich den Papitzer Lachen im Norden des Projektgebietes wichtige Ersatzlebensräume für Amphibien darstellen.

Mit dem Burgauenbach wurden verschiedene Ziele verfolgt, die letztlich der Erhaltung der Aue dienen. - Foto: Vlaic I NABU Sachsen

Eine Evaluation des NABU Leipzig (2019) zeigt, dass entlang des Burgauenbachs und in den Waldspitzlachen einerseits das Überleben einiger auentypischer Arten gesichert werden konnte, diese jedoch nicht in der Lage waren stabile Populationen zu etablieren oder sich in der Aue auszubreiten. Die Gewässerstrukturgütekartierung weißt auf deutliche Mängel in der ökologischen Durchgängigkeit und der Strukturvielfalt hin. Wichtige Strukturelemente wie Abbruchkanten, Quer- und Längsbänke sowie Prall- und Gleithänge fehlen weitgehend. Dadurch fehlen dem Fließgewässer eine Vielzahl an verschiedenen Lebensräume und die damit verbundene Artenvielfalt.

Verwallungen am Burgauenbach, die noch aus den damaligen Baumaßnahmen stammen, müssen für einen naturnahen Verlauf abgetragen werden.  - Foto: Maria Vlaic I NABU Sachsen Zahlreiche Durchlässe beeinträchtigen die ökologische Durchgängigkeit des Burgauenbaches. - Foto: Mittels eines steinernen Überlaufs wird Wasser in ein Gerinnesystem im Leutzscher Holz geleitet. - Foto: Maria Vlaic I NABU Sachsen

Einige dieser Problemstellen sollen behoben oder verbessert werden. Aus den Erhebungen des NABU Leipzig werden aktuell Maßnahmen, wie das gezielte Einbringen von strömungslenkenden Elementen (z.B. Totholz) in den Gewässerlauf und das sukzessive Abtragen der aus den damaligen Baumaßnahmen verbliebenen Verwallungen erarbeitet. Ziel ist es die regelmäßigen Überflutungen des Baches im Leutzscher Holz zu erhalten, kurzzeitig vom Wasser beeinflusste, sogenannte ephemere, Lebensräume zu schaffen und die Strukturvielfalt insgesamt zu erhöhen. Weitere Maßnahmen werden die Waldspitzlachen betreffen. Unbekannte gruben an verschiedenen Stellen Durchstiche zwischen Bach und Lachen und ermöglichten so eine direkte, ganzjährige Bewässerung durch den Burgauenbach. Die Folgen des Lebensraumverlust sind zum Beispiel in einer sich ändernden Libellenfauna zu sehen. Hier werden Vorschläge erarbeitet, die ganzjährige Wasserzufuhr nachhaltig zu unterbinden.

An wenigen Stellen finden sich die für Auen typischen ephemaren, also kurzlebigen, Lebensräume. - Foto: Maria Vlaic I NABU Sachsen Beruhigte Stillgewässerzonen geben dem Burgauenbach zusätzliche Lebensräume. - Foto: Karolin Tischer I NABU Sachsen Die Waldspitzlachen bilden wichtige Ersatzlebensräume. Der Burgauenbach schützt sie vor Austrocknung. - Foto: Karolin Tischer I NABU Sachsen

Zur Planung der Maßnahmen wird das Strahlwirkungskonzept angewendet. Als Strahlwirkung wird die ökologische Aufwertung strukturell beeinträchtigter Gewässerabschnitte, den Strahlwegen, durch die Einwanderung gewässertypischer Organismen aus benachbarten naturnahen Gewässerabschnitten, den Strahlursprüngen, bezeichnet. Ein erster Schritt ist es potentielle Strahlursprünge zu identifizieren und Maßnahmen zur Aufwertung zu entwickeln. Weitere nötige Schritte liegen in der Entwicklung derzeit noch weniger wertvoller Abschnitte.

Aktuell werden Maßnahmenpakete erarbeitet, die im Rahmen der Baumaßnahmen zur Lebendige Luppe der Stadt Leipzig umgesetzt werden.

Weitere Informationen zum Burgauenbach und den Waldspitzlachen sowie zu seiner Evaluation erhalten Sie beim NABU Leipzig

Wasser für die Papitzer Lachen

Bereits abgeschlossen sind die Aktivitäten des NABU Sachsen im Zuge im Bereich der Papitzer Lachen bei Schkeuditz an. Seit Jahrzehnten setzen sich ehrenamtliche Mitglieder des NABU-Regionalverbands Leipzig für die Erhaltung der wertvollen, aber nicht immer optimal mit Wasser versorgten Amphibienhabitate ein. Bereits in den 1990er-Jahren initiierte der NABU den Bau einer Wassereinleitung aus der Weißen Elster, die seitdem Teilen der Papitzer Lachen periodisch Wasser zuführt.

Der alte Wassereinlass war durch Baumängel, Frosteinwirkung und Setzungen von 10 bis 20 cm stark beschädigt. Die Regulierung der Wassermenge ließ sich nur noch von Hand durch ein Stecksystem aus Bretterbohlen ermöglichen. - Foto: Maria Vitzthum

Dieses mittlerweile marode Einlassbauwerk konnte im Rahmen des Projekts Ende 2015 erneuert werden. Das alte Bauwerk wurde abgebrochen, ein neues Fundament gegossen und der neue Wassereinlass eingebaut. Eine feierliche Einweihung gab es Anfang April 2016, pünktlich zu Beginn der Amphibienlaichzeit, wenn das einströmende Wasser den Fröschen und Unken im Gebiet optimale Bedingungen bietet. Bernd Heinitz, der Vorsitzende des NABU Sachsen, der Bürgermeister von Schkeuditz Lothar Dornbusch, Leipzigs Bürgermeister Heiko Rosenthal, Matthias Herbert vom Bundesamt für Naturschutz und Dr. Hartmut Schwarze vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft drehten den "Hahn" für die Wasserzufuhr feierlich auf. Aktuell kann der NABU als Wasserrechtsinhaber eine Höchstwassermenge von 55l/s entnehmen und durch kleine Wiesengräben, Furte und Querungen in die Papitzer Lachen schicken.

Bestandsabriss im November 2015 - Foto: Ludo van den Bogaert Die Vorbereitung des Untergrundes durch eine Stabilisierungsschicht aus Beton. - Foto: Ludo van den Bogaert Das neue, 11 Tonnen schwere Bauwerk wird mit zwei Baggern eingelassen. - Foto: Ludo van den Bogaert Das neue Rohr wird in Sand eingebettet. - Foto: Ludo van den Bogaert Der Durchlass ist fertig und langsam steigt das Grundwasser. - Foto: Ludo van den Bogaert Im Zuge der Erneuerung wurde auch das Absetzbecken zur natürlichen Klärung des Wassers aus der Weißen Elster entschlammt. - Foto: Sabine Schlenkermann v.l.n.r: Lothar Dornbusch (Bürgermeister Schkeuditz), Matthias Herbert (Bundesamt für Naturschutz), Heiko Rosenthal (Beigeordneter für Umwelt, Ordnung, Sport Leipzig), Dr. Hartmut Schwarze (Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft) und  - Foto: Maria Vitzthum
Das erneuerte Entnahmebauwerk - Foto: Maria Vitzthum

Im Januar und Februar 2016 wurden zudem zwei Wegquerungen mit unterirdischen Rohrleitungen im Rahmen einer Unterhaltungsmaßnahme ausgebessert, beide im Laufe der Jahre zugeschlämmt und baufällig geworden.

Vor der Instandsetzung der Rohre wurden diese auf überwinternde Fledermäuse abgesucht. - Foto: Sabine Schlenkermann Die Querung Maßlauer Linie wurde als Rohrdurchlass realisiert. - Foto: Stefan Göttsche Die Querung Frehde-Kette wurde als Furt am Rand einer Wiese umgesetzt. - Foto: Sabine Schlenkermann

Durch die Unterhaltung der vorhandenen Fließstrecke erhält die Nordwest-Aue eine funktionierende Lebensader, die vordergründig der Ableitung von Hochwassern dient und daher nur periodisch Wasser führt - analog zur Bewässerung der Papitzer Lachen. Durch das erneuerte Auslassbauwerk können auwald-typische Trockenzeiten und Perioden mit erhöhter Wasserzufuhr simuliert werden. Insgesamt entfaltet die Wasserversorgung durch die Anhebung des Grundwasserspiegels eine positive Wirkung auf die Stillgewässer und soll der Entwässerung durch die Neue Luppe entgegenwirken, die einerseits aus der Sohlvertiefung, andererseits aus dem Geländegefälle resultiert.

Aktuelles
Zu Besuch beim Ortschaftsrat in Dölzig 2020
Am 08.09. 2020 war das Projekt Lebendige Luppe zu Besuch beim Ortschaftsrat Dölzig. ...mehr
Radexkursion "Auf den Spuren der Lebendigen Luppe" 2020
Am 19. September lädt das Projektteam der Lebendigen Luppe alle Interessierten zur Radexkursion durch das Projektgebiet ein, um den Teilnehmern Informatives und Wissenswertes über das Leipziger und Schkeuditzer Auensystem als Lebensraum, die Ökosystemleistungen von Stadtnatur sowie Leipzigs Gewässerlandschaft und -geschichte zu vermitteln. ...mehr
Informationsabend des Projekts Lebendige Luppe zur Vorhaben am Zschampert
Am Abend des 25. August lud das Projekt Lebendige Luppe ...mehr
Termin: 26.09.2020
Barrierefreie Exkursion "Auf den Spuren der Lebendigen Luppe" (für Menschen mit und ohne Rollstuhl)
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