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Auf der Spur des Eschentriebsterbens im Leipziger Auwald

Eine Untersuchung der naturwissenschaftlichen Begleitforschung im Projekt Lebendige Luppe

Typisches Krankheitsbild einer vom Eschentriebsterben befallenen Gemeinen Esche im Leipziger Hartholzauwald | Foto: Rolf Engelmann
Typisches Krankheitsbild einer vom Eschentriebsterben befallenen Gemeinen Esche im Leipziger Hartholzauwald | Foto: Rolf Engelmann

Die Eschen im Auwald sind krank, was für Auwaldbesucherinnen und -besucher oftmals schwer zu erkennen ist. Doch ein Blick in die Baumkronen zeigt es deutlich. Kahle Äste gefolgt von Blätterbüscheln, die aus den Baumkronen der Eschen herausragen. Gerade im Sommer wird das Eschentriebsterben gut sichtbar.

Seit mehreren Jahren wird die Ausbreitung des Eschentriebsterbens im Leipziger Auwald wissenschaftlich untersucht. Im Rahmen des Projekts Lebendige Luppe wurden die Arbeiten dazu filmisch begleitet. Die Dokumentation ist hier auf der Homepage des Projekts Lebendige Luppe zu finden.

Wie stark ist das Eschentriebsterben bereits im Leipziger Auwald verbreitet?

Die wissenschaftliche Begleitforschung im Projekt Lebendige Luppe untersucht die Entwicklung des Eschentriebsterbens im Leipziger Auwald. Dazu wurden in einer breit angelegten Studie in einem Zeitraum von bisher 6 Jahren (2016 bis 2021) über tausend Eschen – vorkommend auf mehr als 60 Untersuchungsflächen – hinsichtlich ihres Befalls bewertet.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Wissenschaftler von UFZ und Uni Leipzig, dass der übergeordnete Trend im Krankheitsverlauf in Richtung deutlicher Schadzunahme geht. Außerdem gibt es im Leipziger Auwald seit 2017 nahezu keine gesunden Eschen mehr. „Der Anteil der Eschen, die entweder bereits irreversibel geschädigt (Eschen der Schadklassen 4 und 5 von insgesamt 5 Schadklassen) oder bereits abgestorben sind, ist von 2016 bis 2021 von 13 auf knapp 50 Prozent angestiegen. Weitere 26 Prozent gehören der mittleren Schadklasse 3 an, die durch aufgelichtete Kronen, einen vermehrten Totastanteil und beginnende Stammfußnekrosen charakterisiert ist“, erläutert Mathis Scholz, Wissenschaftler am UFZ. „Letztere verhindern wie auch die Rindennekrosen mit zunehmender Ausprägung die Wasserzufuhr in darüber liegende Baumabschnitte, ergänzt Rolf Engelmann, Biologe von der Universität Leipzig.

Weiterhin zeigen die Ergebnisse deutlich, dass die für alle sichtbare Abnahme der Eschen im Leipziger Auwald weiter fortschreiten wird. Inwieweit es zur Ausbildung von Resistenzen kommt und damit das Verschwinden der Eschenpopulation gestoppt wird, lässt sich derzeit nicht abschließend klären. Die naturwissen-schaftliche Begleitforschung im Projekt Lebendige Luppe wird daher die Entwicklung der Eschen-Population weiterhin sehr intensiv beobachten.

Wodurch wird das Eschentriebsterben verursacht und woran erkennt man erkrankte Bäume?

Der Erreger des Eschentriebsterbens, das Falsche Weiße Stengelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus), gehört zu den Schlauchpilzen. Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Leipziger Auwaldart des Jahres 2021, aber auch andere Arten wie die Schmalblättrige Esche (Fraxinus angustifolia) oder die Rot-Esche (Fraxinus pennsylvanica) zählen zu den Wirten dieses Pilzes. Erstmalig wurde das Eschentriebsterben Anfang der 1990er in Polen beobachtet und seit 2011 auch im Leipziger Auwald.

Der Infektionskreislauf beginnt, indem der Pilz im Sommer auf den Blattspindeln letztjähriger befallener Eschenblätter weiße, becherförmige Fruchtkörper bildet, die mehrere Millimeter groß und gut mit bloßem Auge erkennbar sind. Diese scheiden Sporen aus, die verschiedene Teile der Esche infizieren können.

Erfolgt die Infektion auf den Blättern, sind die Eintrittsstellen der keimenden Sporen durch kleine braune Flecken zu erkennen. Dringt das Pilzmyzel via Blattstiel weiter in die Triebe vor, stirbt an den betroffenen Stellen das Rindengewebe, was als Rindennekrose bezeichnet wird, ab und verfärbt sich orangebraun. Ist der gesamte Trieb oder Stammumfang betroffen, ist die Wasserversorgung zu Abschnitten darüber nicht mehr gegeben. Die Blätter beginnen zu welken und sterben ab. Oft bleiben sie braunschwarz verfärbt bis zum Herbst an den Zweigen hängen.

Auf diese Weise führt ein sich jährlich wiederholender Befall vor allem bei jungen Eschen zu einem raschen Absterben des gesamten Baumes. Doch auch bei großen, ausgewachsenen Eschen kann man dies inzwischen allerorts beobachten. Dabei wird die Baumkrone durch abgestorbene, kahle Triebe zunehmend lichter. Außerdem verändert sich die Verzweigungsstruktur der Krone, da die Esche versucht, den Verlust an Trieben mit Hilfe von Ersatztrieben zu kompensieren.

   

Ansprechperson bei fachlichen Rückfragen:

Dr. Mathias Scholz 

Department Naturschutzforschung

UFZ - Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Permoserstr. 15

04318 Leipzig

 

Quelle:

*Wirth, C., Engelmann, R. A., Haack, N., Hartmann, H., Richter, R., Schnabel, F., Scholz, M., & Seele-Dilbat, C. (2021). Naturschutz und Klimawandel im Leipziger Auwald: Ein Biodiversitätshotspot an der Belastungsgrenze. Biologie in Unserer Zeit, 51(1), 55–65. https://doi.org/10.11576/biuz-4107

 

*Schnabel, F., Purrucker, S., Schmitt, L., Engelmann, R. A., Kahl, A., Richter, R., Seele-Dilbat, C., Skiadaresis, G., & Wirth, C. (2021). Cumulative growth and stress Responses to the 2018–2019 drought in a European floodplain forest. Global Change Biology, 00, 1–14. https://doi.org/10.1111/gcb.16028

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